Vom Suchen und Finden der Bilder – ein Prozess
Autorin: Anke Schmich

Detlef Funder ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch Musikproduzent für experimentelle elektronische Musik, die er unter dem Pseudonym Konrad Kraft komponiert. Vor diesem Hintergrund muss sein künstlerisches Schaffen betrachtet werden, liegt doch das interdisziplinäre Arbeiten sowohl in der Malerei als auch in der Musik nahe. Beide Bereiche befruchten sich vice versa.
Der Hang zum Experimentieren, Suchen und Entdecken künstlerischer Lösungen ist Ausdruck der Offenheit und Toleranz des Künstlers in Bezug auf die Wahl seiner visuellen und akustischen gestalterischen Mittel, seines sensuell übergreifenden Empfindungs- und Ausdrucksvermögens.
Innovatives Denken sowie das Aufspüren verschiedenster Antagonismen und das Spiel mit diversen Polaritäten sind kennzeichnend für diese Arbeiten.
Dabei dominiert der reifende Prozess des künstlerischen Vorgehens die intentionelle Zielsetzung.
In seinen abstrakten Werken dient die Symbiose aus Malerei und Grafik als materielle Interpretation des analytischen Sehens, die in ihrem Wesen von musikalischen Schwingungen inspiriert wird.
So ist die Erkundung audio-visueller Phänomene ein Forschungsschwerpunkt im künstlerischen Schaffen Detlef Funders, der in der Malerei eine visuelle Transformation des akustischen Erlebnisses in eine greifbare Materialität erfährt. Alle Forschung generiert sich durch Experimente, die völlig frei sein müssen in Hinsicht auf die Erwartungshaltung des zu erzielenden Ergebnisses.
Diese Ziellosigkeit ermöglicht die völlig freie Wahl der Mittel, im Falle der Malerei des Einsatzes von Linie, Fläche, Farbe, Raum und Gegenstand.
So sind Malerei und Grafik hier keine Ausdrucksmittel zur Abbildung der Realität, sondern zur Prüfung der Grenzen des Erreichbaren in Bezug auf Eigenständigkeit in Farbe, Form und Wirkung.
Was auf das Auge des Betrachters zunächst wie eine spielerische Improvisation wirkt, stellt sich bei näherer Untersuchung als Erfassung experimentell protokollierter Aktionsweisen dar.
Seine Suche nach dem immer Neuen verbietet serielles Handeln, der Prozess der Veränderung oft kleinster Parameter führt zur Erkennung wesentlicher Merkmale, die die Wahrnehmung beeinflussen. D.h., der Wechsel der bildgebenden Faktoren, wie z.B. die Wahl eines anderen Formats, das Erproben neuer Materialien oder der Gebrauch neuen Werkzeugs bestimmen neue Vektoren, innerhalb derer sich das Bild generiert. Die Richtung der „Bildforschung“ wird somit jedes Mal neu festgelegt, der Schwerpunkt auf ein neues Zentrum fixiert. Dieses Vorgehen kann nicht nur zu Erweiterungen und Verdichtungen im Bildraum führen, sondern de facto auch zu einer formalen Reduktion, die die Wahrnehmung auf das Wesentliche konzentriert.
Der Linie kommt dabei eine exponentielle Stellung als unabhängige, variable Größe zu.
So umschreibt, tangiert, teilt oder durchbricht sie beispielsweise Farbfelder.
Diese Farbfelder oder Flächen können selbst entweder klar umrissen und dann meist monochrom gestaltet und oftmals sogar geometrisch definierbar sein, zum Beispiel in Form eines Quadrats oder Rechtecks, oder aber diffus, fein nuanciert und nahezu transparent die Bildfläche bestimmen.
Dann wird die Linie vielfach selbst wie ein Eindringling behandelt. Sie scheint in einen vermeintlich unendlichen Bildraum zu fliehen, taucht ein in tiefere Bildsphären, beschreibt dabei egoistisch ihren eigenen Verlauf.
Mal zerfällt sie wie in einem Zerstäuber, fusioniert mit der Fläche im Bilde zum großen Ganzen. Dann wiederum differenziert sie sich klar und deutlich, um Flächen im Bild zu umfangen oder zu begrenzen, ist hinterlegt oder wird vorgelagert, verläuft gerade oder geschwungen, an- und abschwellend, transparent oder verdichtet, unregelmäßig oder mathematisch definierbar, beginnend und endend im Nirwana des Bildraumes.

Detlef Funders Farbintensität und die progressive Unvollkommenheit in der Formgebung als inhaltlicher Denkanstoß erfordern vom Betrachter die intuitive Erfassung des abstrakten Bildgegenstandes: die Erweiterung des Bewusstseins durch die absichtliche Reduktion der Mittel ist hier die Devise.

Kraftvoll und eigenständig, dabei völlig unbeirrbar, entwickelt Detlef Funder seine eigene künstlerische Sprache – ohne Rücksicht auf den Rezipienten. Aber er nimmt ihn mit, lässt ihn teilhaben an seinen Experimenten, lässt ihn seinen Linien folgen, die Flächen und Räume erkunden und eröffnet ihm immer wieder neue Parallelwelten in Klang und Bild.